Verwirrspiele um die Leiche im Schrank

Premiere der Theatergruppe des TGV mit pfiffiger Krimikomödie in der Turn-/Festhalle

Rotenberg (tom) - Nach 20 intensiven Proben war es am Freitag endlich soweit: Die Theatergruppe des Theater- und Gesangvereins (TGV) Rotenberg hatte mit ihrer turbulenten Mundart-Kriminalkomödie „Die Leiche im Schrank" von Walter G. Pfaus Premiere in der ausverkauften Turn- und Festhalle. Ein Stück, in dem nichts so ist, wie's scheint.

„Mir wollet uns zum 30. Hochzeitstag afotografiere lasse!", verkündet Anna Halt (Ellen Munder), die mit ihrem befrackten Mann Hans (Jürgen Hölle) im Schlepptau das Fotostudio von Johann Bloed (Heiner Böttcher) betritt. Nicht alle kommen zu Johann, um sich zur Feier des Tages ablichten zu lassen. Er ist nämlich nicht nur „Meischdr" seiner Kunst, der Fotografie, sondern auch „Ma". Dass er mehr kann als fotografieren, wissen die Frauen - und ihre Männer auch. Nicht selten kreuzen letztere in Johanns Studio auf, um die Liebste zurück an den heimischen Herd zu holen. Kaum vor Ort, wird der Betrogene selbst zum Betrüger, denn selten kommt eine Dame allein zu Johann. Besonders die attraktive, in hautenges Gold gekleidete Simone (Sabine Lutz), verdreht den Männern den Kopf.

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Fotograf Johann Bloed (Heiner Böttcher) wollte eigentlich nur die Hosen wechseln. Stattdessen fand er in seinem Schrank einen Erhängten. Ein schwacher Trost im schweren Schock: Simones Dekolletè

Keine Frage, dass Anbändelei und Eifersucht, Notlügen und der Umstand, dass immer wieder einige das Studio verlassen, um im Atelier „Sachen zu vertiefen", zu erheiternden Verwirrspielen führen. Brisant wird das Ganze, als der Einbrecher Arno Pakult (Herbert Schnotz) auftritt, den Simone (die eine Romanze mit ihm hatte) im Schrank verstaut, als Gefahr im Anzug ist. Ini zweiten Akt wird der Schrank immer wieder geöffnet. Die Entdecker reagieren unterschiedlich: Die hysterische Nicola Kraft (Claudia Krämer) schreit panisch, während Simone zu ihrem Mann, dem Karatekämpfer Axel Lehmann (Rene Berner) sagt: „Du hasch mi no ned küsst mit einer Leich' im Schrank". Und Johann („ich bin Künschtler und sehr sensibel"), will sich gar vom Balkon in den Tod stürzen. Ausgerechnet Pakult hält ihn davon ab. Völlig entgeistert stellt Johann fest: „Sie sind d' Leich!" Bald weiß keiner mehr, wer wer ist, wer lebt oder Geist ist. „Lauter Verrückte", befindet Kommissarin Gloria Heimann (Ingar Oppermann), denn Siggi Kraft (Dieter Kurrle) sieht immer wieder „nommal a Engele". Die Theatergruppe des TGV bot den knapp 200 Zuschauern ein tempo- und pointenreiches Spiel. Die Leichtigkeit, mit der die Darsteller agierten, ist das Ergebnis einer sorgfältigen und gemeinschaftlichen Probenarbeit. Der Zusammenhalt der Gruppe kam auf der Bühne in jeder Konstellation zum Ausdruck. Hier wird an einem Strang gezogen - das dürfte neben der geschickten Auswahl der wortwitzigen Stücke ein Grund sein, weshalb das Publikum seit Jahren, so auch in diesem April, ungebrochen in die Vorstellungen strömt.

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... und jetzt Alle - von links nach rechts Hans Halt, Ehemann von Anna, (Jürgen Hölle) Kommissarin Gloria Heimann (Ingar Oppermann) Axel Lehmann, Simones Ehemann (Rene Berner) Simone Lehmann, Nachbann des Fotografen, (Sabine Lutz) Arno Pakult, Einbrecher und Hauptleiche, (Herbert Schnotz) Anna Halt, Verzweifelte im Sündenbabel und Ehefrau von Hans (Ellen Munder) Nikola Kraft, vom Ehemann gejagte Geliebte von Johann (Claudia Krämer) Siggi Kraft, Ehemann von Nicola mit Dachschaden zum Ende des Geschehens (Dieter Kurrle) Johann Bloed, der begehrte Fotograf mit der Leiche im Schrank, (Heiner Böttcher)

 ... nicht im Bild doch nicht minder wichtig Gabi Jörger, Maske und Frisuren, Klaus Munder, Souffleur und das Hobbyorchester HAKUL Untertürkheim