Ein ganzes Dorf bekennt für seine Kirche Farbe und engagiert sich wie der Teufel !

Die Theatergruppe veranstaltet das Theaterstück „Die Lügenglocke“ und spendet den Erlös zur Renovierung der Rotenberger Dorfkirche.


Kurz vor den Sommerferien 2001 kam Jürgen Hölle mit der Idee zu mir, für die anstehende Renovierung der Rotenberger Dorfkirche eine Benefizveranstaltung zu organisieren. Spontan und begeistert von dieser Idee stimmte ich zu – doch welches Stück aufführen?

Ganz einfach, sagte Jürgen, wir spielen „Die Lügenglocke“. In diesem Stück geht es auch um eine Kirchenrenovierung und wie man „alten Geizkrägen das Geld aus der Tasche zieht“. Außerdem haben wir das Stück ja schon einmal aufgeführt.

Das war aber vor über elf Jahren! Ob das noch klappt?

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Gesagt, getan, haben wir kurzerhand mit den damaligen Schauspielern ein Treffen organisiert und jeder war von der Idee begeistert. Klar, für die Rotenberger Kirche, die Gemeinde und den Pfarrer Köstlin machen wir das! Alle erklärten ihre Bereitschaft, in der damaligen alten Besetzung wieder mitzuspielen.

Bis auf unsere damalige Souffleuse Doris. Auch sie war von der Idee begeistert, aber von ihrem jetzigen Wohnort Madrid war es kaum möglich mitzuspielen. „In Gedanken bin ich aber immer bei euch“ – wie sie uns brieflich und telefonisch versicherte. Aber auch alle anderen Mitspieler, die damals noch nicht mitgespielt haben, unterstützten uns in unserem Vorhaben. Das hat uns dann sehr motiviert.

Nun ging es darum,  auch die Vereinsleitung und den Ausschuss von unserem Vorhaben zu informieren. Auch hier waren alle von der Idee begeistert und sagten volle Unterstützung zu. Beschlossen wurde bei dieser Sitzung auch, nicht nur das Eintrittsgeld, sondern auch die gesamten Wirtschaftseinnahmen für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Himmel, was war das für eine Aussicht! Meine Gedanken gingen auf Höhenflug! Was wird dabei wohl finanziell herauskommen? 10000 DM, 15000 DM oder gar noch mehr?

Wir sind dann alle in die Sommerferien gegangen. Vorher haben wir aber beschlossen, noch nichts von unserem gemeinsamen Vorhaben im Ort und Herrn Köstlin zu erzählen. Dies wollten wir nach den Ferien tun.

In der Ferienzeit konnte ich dann auch die WG Rotenberg für unser Vorhaben begeistern. Spontan kam die Zusage über 100  Flaschen Trollinger für die Aufführungen. Die Aussichten für unser Vorhaben waren also äußerst günstig.

Die Zeit nach den Ferien wurde von den schrecklichen Ereignissen am 11. September 2001 in New York geprägt. Auch wir waren alle fassungslos und traurig. Wie war so etwas nur möglich!?

Trotzdem haben wir uns dann entschlossen, unser Vorhaben durchzuführen und einen Termin bei Herrn Köstlin vereinbart. Zumal im Ort schon irgendwie etwas durchgesickert war, daß die Theatergruppe und der Verein etwas vorhaben.

Bepackt mit einem Rollenbuch und den Fotos von der alten Aufführung haben Jürgen und ich dann Herrn Köstlin besucht und ihm von unserem geplanten Vorhaben erzählt. Dieser war natürlich auch sofort Feuer und Flamme und ich habe selten einen so freudig bewegten und begeisternden Menschen wie damals Herrn Köstlin gesehen. Ich werde diesen Abend nicht vergessen.

Nun konnten wir an die Terminplanung der Aufführungen und der Proben gehen. Gemeinsam haben wir den 18./19. + 20.Januar 2002 für die Aufführungen festgelegt.

Mit den Proben haben wir dann am 05.11.2001 begonnen und noch weitere 12 Probentermine festgelegt. Dazwischen haben wir uns Fotos und das Video-Band der alten Aufführung von 1989/1990  angesehen. Wie waren damals die Kulissen und die Kostüme? Welches Kostüm passt noch? Ein neues Kostüm für den Bürgermeister und Gastwirt Heiner muß her – er ist zu dick geworden!

Natürlich waren wir uns alle bewusst, daß wir uns damit eine zusätzliche Aufgabe auferlegt haben, zumal in dieser Zeit auch die Planungen für unser neues Stück für das Frühjahr 2002 zu erledigen waren und Weihnachten vor der Tür stand.

Aber irgendwie haben wir es alle geschafft und der Premierentermin am 18. Januar 2002 stand vor der Tür.

Diese Premiere und die anderen beiden Aufführungen wurden zu einem vollen Erfolg. Selbst Herr Köstlin ließ es sich nicht nehmen, auf die Bühne zu kommen, um den anwesenden Zuschauern den Sinn und Zweck dieser Aufführungen zu erklären.

Auch die Presseresonanz war sehr positiv. „Wenn es darauf ankommt, sind die Rotenberger da!“ -  „Lügenglocke bringt Spenden in die Kirchenkasse“ oder „Ein ganzes Dorf bekennt für seine Kirche Farbe und engagiert sich wie der Teufel“. Dies waren nur einige der vielen Pressestimmen.

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v.l.n.r. Dieter Kurrle, Klaus Munder, Jürgen Hölle, Herbert Schnotz, Friederike Stranz, Martin Bubeck, Claudia Krämer, Ellen Munder und Heiner Böttcher.
Hinter der Bühne wirkten mit: Gabi Jörger, Ingar Oppermann und Siggi Schlanke.

Nach den Aufführungen war nun die große Frage, was haben wir für einen Gewinn erzielt? Welche Summe können wir Herr Köstlin überreichen? Unser Kassierer Wolfgang hat sich hingesetzt und zusammengezählt und einen Betrag von 7655 Euro errechnet. Dieser Betrag wurde dann von der Vereinsleitung auf  8000 Euro ( 16000 DM) aufgestockt. Ein Superergebnis! Alle Beteiligten waren sehr stolz.

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Am Freitag, den 01. März 2002 war es dann soweit. In einer kleinen Übergabefeier haben wir Herr Köstlin und seinem Kirchengemeinderat den Scheck in Höhe von 8000 Euro überreichen können.  Auf dem Baugerüst in schwindelerregender Höhe, genau 1,95 m unter der Kirchendecke (dies musste nach Angabe des Restaurators so gemacht werden) wurde das Ereignis dann bei einem kleinen Umtrunk gebührend gefeiert.

Anschließend sind die Mitglieder der Theatergruppe dann nach Immelstetten ins Trainingslager gefahren, um wieder für das neue Stück „Das Damenduell“, das für die Aufführungen nach Ostern 2002 geplant war, zu proben.

Heiner Böttcher